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Das Lahr von Leitis Archive
Sammeln – Bewahren – Erinnern
 
Egon Lustgarten
Egon Lustgarten
 
Egon Lustgarten wurde am 17. August 1887 in Wien geboren und ist am 2. Mai 1961 in Amerika gestorben. Über sein Leben zu schreiben heißt, einen Lebensgang schildern, der ihn einen Geistespfad aufwärts und einen Erfolgsweg abwärts führte.
Durch seine große musikalische Begabung gelang es ihm, seine Eltern zu bewegen, ihn Musik studieren zu lassen, obwohl sie ihn zum Techniker oder Kaufmann bestimmt hatten. Für ersteres hatte er auch Eignung, da er ein sehr guter Zeichner und Geographie-Kenner war. Für Letzteres eignete er sich gar nicht. Er besuchte einige Semester an der Wiener Technischen Hochschule, studierte dann jedoch endgültig an der Wiener Musikakademie. Man sah erwartungsvoll auf den begabten jungen Komponisten. Damals erhielt er für einen Konzertwalzer einen Preis. Auch betraute ihn sein Lehrer Heuberger mit dem Anfertigen des Klavierauszuges von dessen Oper „Der Opernball“. Nach Verlassen der Akademie widmete er sich ganz dem Komponieren. Er schrieb viele Lieder, ein Klavier-Quartett, ein Violin-Konzert, ein Bläser-Quintett und viele Chorwerke. Auch betätigte er sich musikschriftstellerisch. Er schrieb Beiträge in den Musikzeitschriften „Musikblätter des Anbruch“ und „Pult und Taktstock“. Bald wurde er an das Neue Wiener Konservatorium, das größte Musik-Lehrinstitut außer der Staatlichen Akademie, als Lehrer berufen.
In diese Zeit fiel auch seine Begegnung mit Anthroposophie, die er durch seinen Freund, Dr. Ludwig Thieben, kennenlernte. Er nahm am West-Ost-Kongress teil als Zuhörer, konnte aber auch in einem dabei stattfindenden Konzert mitwirken, indem er die Sängerin Valborg Swardstrom, sowie den Opernsänger Karl von Rössel begleitete. Auch spielte er eine eigene Komposition. Bei dieser Gelegenheit hatte Rudolf Steiner ihm auch die Hand gereicht. Später wurde er Mitglied der Gesellschaft und betätigte sich sehr oft als Begleiter zur Eurythmie und bei sonstigen musikalischen Veranstaltungen. Er schrieb auch manche Musik zur Eurythmie, wie solche für das Märchen Jorinde und Joringel. Jedoch im selben Maße, als er sich dieser geistigen Bewegung verband, verlor er an Boden in der äußeren Musikwelt. Die damaligen „Modernen“, die ihn zu den Ihrigen rechneten, ließen ihn fallen, da sie es nicht verstehen konnten, wie er sich solch einer Bewegung anschließen konnte. Er ging ja auch nicht mehr ihren Weg, da er nicht ausschließlich „atonal“ komponierte, sondern der Melodie noch zu ihrem Recht verhalf. Seine Liebe zum Vokalischen – die menschliche Stimme interessierte ihn besonders – führte zu dem Plan, eine Oper zu schreiben. Er fand in einem Freund den Textdichter und beide arbeiteten an der Dramatisierung einer Novelle Conrad Ferdinand Meyers Die Hochzeit des Mönchs, die Egon Lustgarten dann unter dem Titel Dante im Exil als abendfüllende Oper komponierte. Auch leitete er damals einen Arbeiter-Chor, für welchen er ein Chorwerk Der Mensch ist unterwegs nach den Worten des Dichters Heinrich Lersch schrieb. Dieses Werk für gemischten Chor, Orchester, Bariton-Solo und Orgel wurde oft unter großem Beifall aufgeführt. In seiner Wohnung am Graben gab es manches Hauskonzert, bei welchem nebst anderen guten Musikern ein Bläser-Ensemble der Wiener Philharmoniker auf Anregung des ersten Oboisten, Prof. Alois Wunderer, Lustgartens Bläser-Quintett öfter spielten. Diese Hauskonzerte gab er zu Gunsten der Rudolf-Steiner-Schule, welcher er eine größere Summe übergeben konnte durch Spenden des zahlreichen Publikums, manchmal zweihundert Zuhörer. Diesem Leben wurde durch den Einfall der Nationalsozialisten im März 1938 ein Ende gemacht.
Ein als Jude Geborener mußte an die Auswanderung denken. Und so konnten wir mit Hilfe meiner Schwester, der Witwe des amerikanischen Wagnersängers an der Wiener Hofoper William Miller, welche in den Vereinigten Staaten weilte, im September 1938 dorthin fahren. Damit endete das Leben Egon Lustgartens in seiner Heimatstadt und begann ein solches in einem unbekannten Land.
Auch dort entfaltete er ein tätiges Leben, bekam Schüler, arbeitete intensiv in der Anthroposophischen Gesellschaft in New York, begleitete und komponierte zur Eurythmie und hielt auch bald Vorträge in englischer Sprache, die er sich fleißig aneignete. Er führte auch einmal mit einem Amateur-Ensemble eine seiner Märchenopern auf, die sehr großen Beifall erntete, auch wiederholt wurde, ihm jedoch nicht zu einem äußeren Erfolg verhalf, da die Aufführung in zu kleinem Rahmen (der dortigen Anthroposophischen Gesellschaft) stattfand. Als geistige Tat besteht sie jedoch und auch in der Erinnerung mancher Menschen. Während seines Aufenthaltes in Amerika schrieb er vier Märchenopern, zu deren letzter Die grüne Schlange und die schöne Lilie er selbst den Text dramatisierte.
Als der zweite Weltkrieg zu Ende ging, entstand in ihm der Wunsch, wieder in seine Heimat zurückzukehren. Doch da waren noch manche Hindernisse zu beseitigen und so wurde dieser Plan erst 1952 verwirklicht. Seine Hoffnung, in der alten Heimat wieder dort fortzusetzen, wo er aufgehört hatte, wurde nicht erfüllt. Andere Menschen waren inzwischen im Musikleben vorgerückt, ein anderer Stil wurde von der jüngeren Generation inauguriert, und außer einigen Schülern, die den „alten Lehrer“ wiederzusehen sich freuten, konnte er mit seinen Werken nicht viel erreichen. Auch war der große Besitz seiner Eltern, der unter den Nazis „arisiert“ gewesen war, durch unredliche Verwalter und Anwälte auf ein Minimum gesunken und die Hoffnung, wieder in bessere finanzielle Verhältnisse zu kommen, wurde zunichte gemacht. Doch, alle diese Enttäuschungen konnten Egon Lustgarten nicht verzweifeln machen. Er war so erfüllt von der Weisheit im Walten des Schicksals, daß die äußeren Erlebnisse ihn wohl verwunden, aber niemals umbringen konnten. Deshalb konnte er auch so vielen Menschen durch Rat und Tat helfen, was ihm oft großen Dank brachte.
Im Jahre 1956 kehrte er noch einmal nach USA zurück, wo inzwischen unsere Tochter Eleanor glücklich verheiratet war und drei Kinder hatte. Er lebte noch einige Jahre dort und hatte dann die Absicht, seinen Lebensabend in Europa zu verbringen. Im Herbst 1960 flog er nach Basel, wo er krank ankam und sogleich ins Bürgerspital mußte. Im März 1961 flog er zurück in die Vereinigten Staaten, wo er am 2. Mai im Hause unserer Tochter seinen irdischen Lebensweg beendete.
(Sophia Elisabeth Lustgarten)
 

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